Was ist los im Clubhouse?

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    Als Clubhouse in Deutschland startete, war der Hype groß und die Kritik mindestens genauso schnell aufgebauscht. Was steckt hinter der neuen Audio-App und was bringt sie? Wir haben mal reingehört. 

    Was ist Clubhouse

    Für alle, die Podcasts oder andere Audio-Formate mögen, wird es interessant: Clubhouse ist eine Audio-App, das heißt, alles ist Ton. Das ansprechende Design mal bei Seite, ist Clubhouse ein Ort zum Reden und Zuhören. Alle Nutzenden können einen Raum eröffnen und dort andere Speaker*innen einladen. Dazu kommen dann Zuhörende, die dem Gespräch lauschen. Damit funktioniert die App ein wenig wie ein Live-Podcast. Weil die Talks nur live stattfinden, entsteht ein ganz ungewohntes Gefühl von zeitlicher Dringlichkeit: Talk verpasst heißt Content verpasst.

    Wie man die Talks findet? Vor allem über die Menschen, denen man folgt. Einen richtigen Stream gibt es nicht und die Übersicht ist zunächst noch klein. Eine andere Möglichkeit wäre auch, dass ein Talk auf einer anderen Plattform angekündigt wird und man die Person, die den Talk gibt, aktiv auf Clubhouse sucht und dann einsteigen kann. Hier kommen datenschutztechnisch ein paar Probleme auf, denn die App greift üppig Kontaktdaten ab und erlaubt gleichzeitig so das einfache Folgen von Menschen, die in den Kontakten gespeichert sind. Doch auch Talks außerhalb der eigenen Bubble sind auffindbar. Neben den Kontakten gibt es auch Clubs, die sich mit bestimmten Themen beschäftigen. Wenn ein Club einen Talk abhält, wirst du informiert und kannst zuhören. 

    Was kann Clubhouse

    Noch ist Clubhouse in der Beta-Version und die Menschen, die sich dort herumtreiben, eher medienaffin. Clubhouse reproduziert damit mit Sicherheit bestimmte Bubbles, aber dennoch ist das gesprochene Wort als primäres Medium auf der App eine ganz andere Form des Austauschs. Während wir auf anderen Apps mit Text und Bild Content machen, geht es hier tatsächlich um Gespräche. Der Austausch hat hier eine andere Qualität und wenn die Speaker*innen gut sind, lohnt es sich zuzuhören. 

    Formate, die sich gerade herauskristallisieren: ganz viele Expert*innentalks. Es gibt Gespräche mit jungen Menschen, die in der Parteipolitik aktiv sind und einen Mittagstalk aus dem Regierungsviertel abhalten. Es gibt PR-Agenturen, die sich geschlossen einwählen und Kund*innen dazu einladen, mit ihnen über die Digitalisierung von Brand Experiences zu unterhalten.

    Es gibt aber auch sehr viele politische Diskussionsplattformen, die sich mit den Themen von (mehrfach-) diskriminierten, nicht-weißen Personen auseinandersetzen. Wo stehen Schwarze Deutsche gemeinsam auf einer digitalen Bühne und bekommen eine gemeinsame Stimme? In der deutschen Medienlandschaft eigentlich nie. Und so können auf Clubhouse Plattformen geschaffen werden, die sich in anderen Medien so nicht finden. Der direkte Austausch per Gespräch ist hier zwar technisch niedrigschwellig, doch die verschiedenen Formate werden oft von gesprächserfahrenen Sprechenden besetzt. Ein gewisses Sendungsbewusstsein und Mut gehören also auch dazu, wenn man auf Clubhouse aktiv wird. Zuhören dagegen kann man auch ohne Mut nur mit Kopfhörer.

    Was läuft schief im Clubhouse

    Natürlich kein Hype ohne Kritik, so auch bei Clubhouse. Die großen Kritikpunkte waren bisher relativ einfach zu kontextualisieren. Gehen wir sie Schritt für Schritt durch:

    Was, noch eine App?

    Na klar noch eine App und das wird nicht die letzte App sein, die neu ist. Wir erleben immer wieder Veränderungen in den sozialen Medien, doch was bei Clubhouse neu ist: Social Media hat eine viel größere Durchdringung als sagen wir vor zehn  oder mehr Jahren, als MySpace unterging und von den Bildschirmen verschwand. Wir erleben die Abwendung von großen Plattformen und eine Pluralisierung der Angebote – Clubhouse ist nur ein Symptom. 

    Aber ich hab keine Einladung bekommen … 

    Clubhouse befindet sich im Beta-Stadium und es ist nicht unüblich, dass eine App dann erstmal nur per Invite funktioniert. Das hat zumeist technische Gründe, kann aber auch den Hype um die App befeuern. Aber auch hier handelt Clubhouse nicht anders, als andere Apps. Dass das zu Ausschluss führt, ist nicht schön, aber ein nicht zu vermeidender Nebeneffekt. 

    Die App läuft nur auf dem iPhone!

    Auch das ist nicht unüblich, denn Android und iPhone-Apps sind nicht einfach die gleiche App. Sie müssen auf die jeweiligen Betriebssysteme zugeschnitten programmiert werden. 

    Das reproduziert doch nur wieder die Bubble!

    Auch hier muss man sagen: Clubhouse funktioniert nicht anders als andere Apps. Bis zu einem gewissen Punkt hat die Bubble auch eine Schutzfunktion. Wer kritischen Austausch sucht oder sich verschiedene Meinungen anhören will, kann hier fündig werden, aber den gezielten Konsum von klassischen Nachrichten muss eine App nicht ablösen. Raus aus der Bubble und Zeitung aufschlagen!

    Was wir von Clubhouse denken

    Clubhouse bietet für alle, die Lust auf Audio und Gespräch haben, eine gute Möglichkeit sich in Expert*innentalks neuen Input zu holen oder den eigenen politischen Horizont zu erweitern. Das Surfen in der App kann neue Kontakte bringen und durchaus inspirierend sein. Wer einen Schritt weitergehen will und aktiv auf der App wird, muss sich vorher ein paar Fragen stellen. Welche Themen will ich besetzen und welche Expertise habe ich oder kann ich einladen? So können spannende Debatten entstehen und Menschen an einen Tisch geholt werden, die so sonst selten in den Dialog kommen. 

    Trotz Hype und Kritik, wir glauben, dass Clubhouse unseren Medienkonsum auf eine spannende und gehaltvolle Art erweitern kann. Das Werkzeug ist da, die Frage ist, wie nutzen wir es. 

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