Agil, Agiler, Agile Arbeit

    Arbeitswelt erstellt von Kristin Louis, Geschäftsführerin DESIGNERDOCK Berlin

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    Auf die Herausforderungen der digitalen Transformation antworten immer mehr Unternehmen mit dem Wunsch nach Agilität. Was steckt hinter dem Begriff und wie verändert agile Arbeit die Unternehmen und uns? Diesen Fragen ist Kristin Louis vom DESIGNERDOCK-Team aus Berlin nachgegangen.

    Die Digitalisierung krempelt unsere Arbeitswelt ordentlich um. Was gestern noch funktionierte, ist heute schon Makulatur. Jobprofile verändern sich, verschwinden und entstehen neu. Produkt- und Innovationszyklen werden immer kürzer. Die Bedingungen für Menschen und Unternehmen ändern sich ständig. Auf den permanenten Wandel gibt es oft nur eine Antwort: Wir müssen uns weiterentwickeln. 

    Die alten Unternehmensstrukturen, in denen Entscheidungen von oben getroffen und von den Mitarbeitern umgesetzt wurden, greifen immer seltener. Die Technik, die Märkte und die Kundenwünsche verändern sich so rasant, die Aufgaben werden so komplex, dass Führungsriegen überfordert wären, wenn allein sie adäquate Lösungen finden müssten. In Zeiten, in denen die sorgfältig ausgearbeitete Strategie von einem Tag auf den nächsten überholt sein kann und Unternehmen flexibel, dynamisch und kreativ sein müssen, wirken Top-down-Strukturen behäbig und veraltet.

    Von unten nach oben. Agiles Arbeiten verändert Unternehmen

    Doch wie werden Unternehmen anpassungsfähig und innovativ? Agilität beschreibt genau die Fähigkeit, die viele Unternehmen suchen: Sich auf Veränderungen einzustellen und auf sie reagieren zu können. Das können Unternehmen besser, wenn die Verantwortung nicht mehr nur in den Händen weniger liegt. Das neue Ziel ist, die MitarbeiterInnen in die Lösung komplexer Aufgaben und Prozesse einzubinden und Verantwortung abzugeben. Nicht mehr das Management, sondern die Projektteams bestimmen ihr Handeln, organisieren sich selbst und fällen Entscheidungen. Damit die Teams auch im Sinne des Unternehmens handeln können, müssen sie über die langfristigen Ziele informiert sein. Leitlinien geben Orientierung. Agile Arbeit verändert auch die Rolle von Führungskräften. Supportive Leadership ist hier das Stichwort. Die neue Führungskraft unterstützt, motiviert, coacht.

    Das agile Manifest, Scrum und Co.

    Dass agiles Arbeiten funktionieren kann, beweisen seit einigen Jahren vor allem junge Software-Unternehmen. Kein Wunder, denn das agile Manifest wurde ursprünglich von namenhaften Softwareentwicklern geschrieben und beschreibt vor allem eine Haltung. Individuen und Austausch, ein funktionierendes Produkt, die Zusammenarbeit mit den Kunden und das Eingehen auf Veränderungen sollen die Arbeit vorrangig bestimmen. 

    Daraus wurden dann Methoden entwickelt, die dem agilen Arbeiten einen Rahmen geben. Sehr häufig hört man seit einiger Zeit zum Beispiel von Scrum oder Kanban. Sie bieten eine Struktur, die ein allmähliches Vorantasten, einen steten Austausch im Team, ein regelmäßiges Testen der Zwischenergebnisse und wiederkehrende Feedbackschleifen mit den Kunden ermöglichen.

    Agilität und Unternehmenskultur

    Agile Arbeit greift tief in die Unternehmens-DNA ein und erfordert fast immer einen Kulturwandel. Daher wird die digitale Transformation oft auch als kulturelle Transformation beschrieben. Nicht nur der Einzug von klugen Maschinen und smarter Technik machen die digitale Transformation aus. Wie sich zeigt bedeutet sie auch, dass wir alle lernen müssen, anders zu denken, zu handeln und miteinander zu arbeiten. Darin liegt eine ungeheure Chance und eine große Herausforderung. Vielen Unternehmen, die agiler werden wollen, wird klar, dass ihnen der Wandel nur gelingt, wenn sie ihre MitarbeiterInnen dafür gewinnen. Sie stehen vor der Frage, wie sie Interaktion, den Austausch von Wissen, Verantwortung und ein respektvolles Miteinander fördern können. Oder wie sie es schaffen können, dass die Arbeit für Ihre MitarbeiterInnen zum Feld der Entfaltung wird und das Unternehmen der passende Ort dafür. Denn mal eben alle alten Strukturen aufbrechen und neue etablieren, Raum zur Mitgestaltung schaffen und Kooperation leben, das kann kein Unternehmen. Das braucht Zeit.

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