„Die Resonanz ist groß“ – Wie New Work die Arbeitsbedingungen in den Agenturen verbessert

    Arbeitswelt erstellt von Robert Mende, Inhaber DESIGNERDOCK Hamburg

    © pic by DESIGNERDOCK/Robert Mende

    Viertagewoche, Flexibilität, Sabbaticals  und Home-Office. Unter dem Begriff New Work versammeln sich unterschiedliche Ansätze und Konzepte. Sie sollen unsere Arbeit besser und uns zufriedener machen. Wie verändert New Work die Agenturen? Mit dieser Frage beschäftigt sich Robert Mende, der Geschäftsführer von unserem DESIGNERDOCK-Büro in Hamburg. Warum sich Agenturen mehr ins Zeug legen müssen als früher, erzählt er im Interview.

    Wenn ein Unternehmen mit New Work nichts am Hut haben will, was muss es machen?

    Dann wäre es am wichtigsten, nicht darauf zu achten, was die MitarbeiterInnen eigentlich wollen. Es muss völlig ignorant gegenüber den Bedürfnissen und Wünschen seiner MitarbeiterInnen sein. Es muss nur von sich ausgehen und diesem Interesse alle Prozesse unterordnen. Es muss die Kernbotschaft von New Work, nämlich die Idee, dass sich berufliche und persönliche Interessen miteinander verbinden lassen, völlig ausblenden.

    Um welche Möglichkeiten würde sich ein solches Unternehmen bringen?

    Es verschlechtert zum einen seine Position am Arbeitsmarkt. Die Marktmacht hat sich in den letzten Jahren mehr in Richtung ArbeitnehmerInnen verschoben. Selbstverwirklichung im Job wird für viele wichtiger. Wenn Unternehmen darauf nicht eingehen, wird das Recruiting schwerer, die Loyalität nimmt ab.
    Zum anderen gibt es durch die digitale Transformation mehr offene Prozesse und Aufgaben in Unternehmen, die nur von kreativen, mitdenkenden und selbständig handelnden MitarbeiterInnen bewältigt werden können. Man braucht Leute, die ihr Talent und ihre Eigenmotivation einbringen. Kreativität lässt sich aber nicht verordnen. Unternehmen müssen ihre MitarbeiterInnen in den Mittelpunkt stellen, um an diese Ressourcen zu kommen.

    Diese Veränderungen sind besonders für Konzerne, in der Industrie und im Mittelstand große Herausforderungen. Ein Zerspanungsmechaniker oder eine Sachbearbeiterin mussten wahrscheinlich bisher keine besonders hohe intrinsische Motivation mitbringen. Jetzt verändern sich die Aufgaben und die Frage danach, was jemand kann und will, rückt in den Mittelpunkt. Man ist dann am besten, wenn man das tut, was man einem wirklich entspricht.

    Ich habe vor kurzem das Buch „Nichts Weißes“ von Ulf Erdmann-Ziegler gelesen. Darin wird auch die Agenturwelt der 1980er beschrieben. Das kam mir sehr bekannt vor. Ist New Work für Agenturen wirklich so neu? Was bedeutet Neue Arbeit für die Agenturen heute?

    Agenturen sind in der New Work-Debatte ein spezieller Fall und besonders zu bewerten. In Agenturen arbeiten seit jeher Menschen, die eine hohe Eigenmotivation haben, die das, was sie tun, auch wirklich wollen. Die Arbeit in Agenturen zeichnet sich dadurch aus, etwas Neues zu entwickeln und kreativ zu sein. Auch der Umgang und die Kleiderordnung sind hier immer schon lockerer als in Konzernen. Dennoch ist die Resonanz in der Kreativwirtschaft auf die New Work-Konzepte groß. Der Preis für die inhaltlich befriedigende Arbeit schienen nämlich unbefriedigende Arbeitsbedingungen zu sein. In einer Agentur konnte man zwar vergleichsweise eher machen, was man kann und mag, dafür musste man aber ordentlich buckeln. New Work verspricht, die persönlichen und beruflichen Interessen besser in Übereinstimmung miteinander bringen zu können.

    Warum sind die Arbeitsbedingungen in den Agenturen eher unbefriedigend?

    Ich glaube, in machen Branchen ist die Versuchung einfach da. In kreativen, künstlerischen oder auch sozialen Umfeldern bringen die Leute oft eine hohe Motivation mit und das Arbeitsumfeld nutzt das manchmal aus. Wenn vor meiner Tür immer eine Schlange mit Menschen steht, die brennen und rein wollen, muss ich mich nicht fragen, wie ich MitarbeiterInnen gewinnen oder langfristig halten kann. Dieser Versuchung sind auch die Agenturen erlegen. Zum anderen sind sie kommerzielle Unternehmen. Als UnternehmerIn freut man sich doch, wenn die Leute für 40 Stunden bezahlt werden, aber 50 oder 60 arbeiten. Sie haben da etwas geschenkt bekommen. Diesen Vorteil haben sie an ihre Kunden weiterverkauft. Wenn ein Kunde am Freitag anrief und sagte, er möchte das Layout noch einmal überarbeitet haben, wurden oft zu Montag neue Ergebnisse versprochen. In der Agentur war dann klar: Da müssen wir noch mal ran und zwar am Wochenende. So ist diese Kultur entstanden, für die man Agenturen heute immer noch kennt. Jetzt erwarten die Kunden das natürlich, es war doch bisher immer selbstverständlich. Wenn die Agenturen nun ihre Arbeitsbedingungen ändern wollen, wird die Arbeit teurer, weil sie mehr Leute brauchen, und zum anderen müssen sie ihre Kundenbeziehungen neu gestalten. In einem hochkompetitiven Umfeld ist das nicht so leicht.

    Warum geht es in den Agenturen nicht so weiter wie bisher?

    Es gibt einerseits demografische Veränderungen, weniger Menschen kommen auf den Arbeitsmarkt. Gleichzeitig gibt es immer mehr kreative Arbeitsplätze in anderen oder angrenzenden Branchen. Die Sexyness von Agenturen haben heute Google, Facebook, digitale Start-Ups. Diese Unternehmen bieten ein kreatives Umfeld und leben die neue Kultur – von unterschiedlichen Arbeitszeitmodellen bis Kommunikation auf Augenhöhe. Das heißt, dass die Agenturen sich stärker ins Zeug legen müssen als früher.

    Hast du Best-Practice-Beispiele? Kennst du Agenturen, die New-Work-Konzepte vorbildlich umsetzen und wo sich die Hoffnungen der Agentur und des Teams verwirklichen?

    Mein Einblick ist sicher nicht repräsentativ aber ich sehe durchaus positive Entwicklungen, die den geänderten Rahmenbedingungen Rechnung tragen. In kleineren Agenturen zum Beispiel mit InhaberInnen und GeschäftsführerInnen, die persönlich für eine andere Kultur und andere Arbeitsbedingungen stehen, sehe ich schon viel Bewegung. Aber auch die großen Agenturen bauen ihre HR-Abteilungen aus, passen ihr Recruiting an, holen sich mehr Know-how ins Haus und investieren in die Personalentwicklung. Seid ihr am richtigen Platz? Wie können wir euch fördern? Wie können wir unsere Kultur verändern, damit ihr euch wohler fühlt? Diese Fragen spielen zunehmend eine Rolle. Ich sehe also grundsätzlich schon eine positive Entwicklung. Aber ein kultureller Wandel braucht Zeit. Wichtig ist die Bereitschaft, sich auf den Weg zu machen und darin keine lästige, zusätzliche Pflicht zu sehen. Es geht immerhin um die Chance, in Agenturen Arbeitsbedingungen zu schaffen oder zu erhalten, von denen MitarbeiterInnen und das Unternehmen profitieren können.

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