Fördern und Fordern: Programme für Kreative und Agenturen über Corona hinaus

    Tipps erstellt von Ulrike Schwarzenberg, Geschäftsleitung DESIGNERDOCK Frankfurt

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    Auch ohne Corona ist das Thema Förderung für Freiberufler*innen und Unternehmen interessant. Doch von den vielfältigen Fördermöglichkeiten für ein unternehmerisches Vorhaben oder ein Projekt, wissen Viele nur wenig. Ulrike Schwarzenberg vom Designerdock-Standort Frankfurt hat sich auf eine kleine Expedition in den Dschungel der Förderprogramme begeben.

    Mit der Corona-Krise wurde das Thema Förderung für Viele mit einem Mal enorm wichtig. Nicht nur für Unternehmen, sondern auch für soloselbstständige Kreative legten Bund und Länder in Windeseile Hilfsprogramme auf, die die finanziellen Folgen der Krise abfedern sollten. Dabei unterschieden sich die Soforthilfen der Länder teilweise sehr. Ob diese nur für Betriebskosten oder auch zur Deckung der Lebenshaltungskosten eingesetzt werden durften, war abhängig vom Bundesland. In Baden-Württemberg etwa wurden mit der Soforthilfe nur Betriebskosten bezuschusst. Diese Regelung trifft gerade Freiberufler*innen und Künstler*innen, die mit ihrer Arbeit vor allem ihren Lebensunterhalt sichern und nur geringe Betriebskosten haben, in der Krise besonders hart. Unternehmen wurden in den letzten Monaten durch unterschiedliche Liquiditätshilfen, Soforthilfeprogramme und einer Erleichterung bei der Kurzarbeit unterstützt.

    Fördermöglichkeiten über Corona-Hilfen hinaus

    Das Thema Förderung ist aber auch ganz unabhängig von Corona für Freiberufler*innen und Unternehmen interessant. Doch von den vielen Möglichkeiten, die es gibt, um sich bei einem unternehmerischen Vorhaben oder einem Projekt fördern zu lassen, wissen Viele häufig nur wenig. Ob man ein Weiterbildungsprogramm für Künstler*innen entwickelt, eine Konferenz plant, neue Arbeitsplätze schafft oder ein E-Fahrrad für die Agentur kauft - in Deutschland gibt es ein breites Spektrum an Förderprogrammen. Kultur, Wirtschaft, Bildung, Gesundheit und Soziales, Stadt- und Regionalentwicklung, Umwelt- und Naturschutz, für fast jeden denkbaren Bereich gibt es Programme, die von Bund und Ländern und der EU finanziert werden. Private Förderer wie Stiftungen ergänzen das diffizile und teilweise schwer durchschaubare Fördersystem. In der Förderdatenbank des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie bekommt man davon einen Vorgeschmack. Hier sind die Förderprogramme vom Bund, den Ländern und der EU verzeichnet. Zum Schlagwort Wirtschaft findet die Datenbank 1621 Förderprogramme, zu Digitalisierung 265. Das passende Förderprogramm zu finden ist mitunter eine Aufgabe für sich. Doch damit ist es nicht getan. Für die allermeisten Förderprogramme muss man einen entsprechenden Antrag stellen. Je nach Vorhaben und Programm unterscheiden sich die Antragsformalitäten. Dass eine fachkundige Beratung beim Thema Förderung sehr hilfreich ist, wenn man Erfolg mit seinem Antrag haben will, liegt auf der Hand. Vor allem wenn es um große Summen geht. 

    Vom Gründen bis zum Bildungsprojekt – Förderung für Kreative

    Der Weg in die Selbstständigkeit wird in jedem Bundesland durch vielfältige Programme gefördert. Neben Krediten zu besonderen Konditionen, werden Gründer*innen zum Beispiel durch spezielle Beratungs- und Weiterbildungsangebote gefördert. In Hamburg hilft etwa die Kreativ Gesellschaft dabei, alle Schritte bei der Existenzgründung im Bereich Kreativwirtschaft zu meistern. In Berlin und Brandenburg unterstützt der Businessplan-Wettbewerb der IBB dabei, das Geschäftsmodell und Gründungsvorhaben auf die richtigen Beine zu stellen. In Nordrhein-Westphalen heißt das Pendant Gründungswettbewerb. Viele Programme unterstützen Gründer*innen zudem bis zu fünf Jahre über die erste Gründungsphase hinaus oder bezuschussen das Coaching von erfahrenen Freiberufler*innen.

    Wer einmal eine Zeit im Ausland verbringen will, für den ist das Programm Erasmus for Young Entrepreneurs vielleicht interessant. Dieses Förderprogramm bezuschusst für bis zu sechs Monate den Aufenthalt in einem anderen Land in der EU und die Hospitanz in bzw. die Zusammenarbeit mit einem Partnerunternehmen. Auch im Bereich der kulturellen Bildung oder des bürgerschaftlichen Engagements gibt es viele Möglichkeiten, eine Projektidee mit Fördergeldern zu realisieren.

    Von der Digitalisierung bis zu neuen Märkten – Förderung für Unternehmen

    Auch für Unternehmen gibt es in allen Bundesländern zahlreiche Fördermöglichkeiten. Wirtschaftsförderung ist hier das Stichwort. Bei der Positionierung und Weiterentwicklung ihres Geschäftsmodells werden KMU in Nordrhein-Westphalen zum Beispiel durch das Programm Potentialberatung unterstützt. Ähnliche Programme gibt es u. a. in Berlin, Mecklenburg-Vorpommern oder Sachsen. Ein weiterer Förderschwerpunkt liegt in allen Bundesländern auf Innovations- und Digitalisierungsvorhaben. In Bayern unterstützt beispielsweise der Digitalbonus KMU dabei, in neue Hardware, Software und IT-Sicherheit zu investieren. In Baden-Württemberg helfen Innovationsgutscheine dabei, innovative Dienstleistungen oder Produkte zu entwickeln, und in Berlin fördert das Programm Berliner Mittelstand 4.0. Eine Übersicht zu der Forschungs- und Innovationsförderung der Länder gibt es hier.

    Das Thema Internationalisierung wird zwar erst wieder interessant sein, wenn die Corona-Pandemie überstanden ist, doch prinzipiell können auch Unternehmen ihre Mitarbeiter*innen bei dem Wunsch unterstützen, berufliche Erfahrung im Ausland zu sammeln. Unterschiedliche Programme fördern den internationalen Austausch und die damit verbundenen innovativen Impulse.

    Tipps für die ersten Schritte in den Förderdschungel

    Sich im Förderdschungel zurecht finden? Dabei helfen Fördermittelberater*innen, wie zum Beispiel Rosita Kürbis. Soloselbstständigen Kreativen rät sie, sich als Unternehmer*in zu verstehen. „Kreative“, sagt sie, „sollten neben der Kulturförderung auch die Wirtschaftsförderung in den Fokus nehmen. Wer zum Beispiel expandieren oder eine neue Dienstleistung entwickeln will, kann dafür Wirtschaftsförderung beantragen. Gründen, Wachsen, Stabilisieren, für wirklich jede Phase gibt es Fördermöglichkeiten“. Unternehmen und Agenturen, die bisher noch nicht mit Förderungen arbeiten, sollten sich bewusst machen, dass der Mittelstand in Deutschland enorm wichtig ist und gefördert werden muss. „Es gibt zum Beispiel viele Mittel, Arbeitsplätze zu schaffen“, sagt die Expertin. „Nicht nur Kredite, sondern auch viele Zuschussprogramme. Unternehmen kann ich nur raten, die Möglichkeiten auszuloten und zu nutzen und nicht vor den Antragsformalitäten zurückzuschrecken.“ 

    Nicht zu unterschätzen ist allerdings der administrative Aufwand, den eine staatliche Förderung nach sich zieht. Wenn ein Projekt bewilligt wurde, müssen Berichte geschrieben, Mittel abgerufen, Angebote eingeholt, Ausgaben dokumentiert werden. „Natürlich kommt es auf das Projekt an, aber man muss sich schon überlegen, für wie viel Geld man den Aufwand in Kauf nimmt. Daher rate ich, ordentlich zu kalkulieren und nicht aus Unsicherheit oder Vorsicht zu niedrig anzusetzen“, ergänzt sie. Auch für die nächsten Monate, in denen aufgrund der Corona-Pandemie noch nicht wieder alles rund läuft, hat die Fördermittelberaterin einen Tipp. „Kreative wie Unternehmen können die Zeit nutzen, um zum Beispiel ihr Geschäftsmodell zu überprüfen, und zu schauen, was wirklich funktioniert und was nur so mitläuft. Programme wie der Coachingbonus der IBB unterstützen dabei, sich jetzt neu aufzustellen.“

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