Fünf Minuten gegen das kreative Schwarze Loch – Was tun bei Blockaden?

Arbeitswelt erstellt von Tanja Queckenstedt, Arbeitspsychologin und Autorin von "Ein Kopf voller Ideen“

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Fast jeder kreativ arbeitende Mensch hat schon mit ihr Bekanntschaft gemacht: Die Blockade, die gähnende Leere im Kopf, wenn man vor dem noch unbeschriebenen Dokument sitzt und sich absolut gar nichts bewegt. Der Hahn ist voll aufgedreht, aber die Ideen sprudeln nicht. Sie tröpfeln nicht mal. Was nun?

Was sind Blockaden?

Kurz gesagt: Blockaden sind Gedanken und Gefühle, die uns davon abhalten, eine Aufgabe zu beginnen oder mit ihr weiterzumachen. Und zu erkennen (und anzuerkennen), dass man sie hat, ist nichts Schlimmes, sondern der erste Schritt in die richtige Richtung. 

Was kann ich dagegen tun?

Manchmal helfen kleine psychologische Tricks. Als ich zum Beispiel nicht wusste, wie ich diesen Artikel anfangen sollte und das Schreiben vor mir her geschoben habe, hat mir die sogenannte Fünf-Minuten-Regel geholfen. Dabei nimmt man sich vor, nur fünf Minuten einem bestimmten Teil der Aufgabe zu arbeiten – bei mir die Einleitung – und nach diesen fünf Minuten zu entscheiden, ob man weiter macht. Und meistens geht es danach tatsächlich weiter. Warum? Diese fünf Minuten sind überschaubar und senken so die Schwelle, sich mit der Aufgabe konkret auseinanderzusetzen. Und wenn man erstmal „drin“ ist und einen Fortschritt sieht, erscheint jede Aufgabe lösbarer. 

Der zweite wichtige Aspekt dieser und vieler anderer erfolgreicher Vorgehensweisen bei Blockaden ist die Aufteilung der Aufgabe selbst in kleinere Teilaufgaben. So wird die aktuelle Aufgabe nicht nur kleiner, sondern anhand der Struktur, die durch die Aufteilung entsteht, ist auch der optimale Startpunkt schneller gefunden.

Eine weitere sehr hilfreiche Strategie ist Abwechslung. Viele moderne Firmen wenden in ihren Kreativteams erfolgreich ein System an, das den regelmäßigen Wechsel zwischen verschiedenen Projekten beinhaltet. Denn nicht nur an einem toten Punkt, hilft es der Kreativität, sich zwischendurch mit etwas anderem zu beschäftigen. Das funktioniert auch im Kleinen, bzw. auch ohne anderes Projekt. Manchen hilft es zum Beispiel, zwischendurch einen Spaziergang zu machen und/oder die Gedanken wandern zu lassen oder bewusst die Arbeitsumgebung zu wechseln, um die Kreativität (wieder) sprudeln zu lassen.

Wenn solche schnellen Tricks keine Abhilfe schaffen, lohnt es sich der Blockade auf den Grund zu gehen und die Ursachen unter die Lupe zu nehmen.

Welche Ursachen gibt es?

Blockaden können von äußeren Umständen ausgelöst werden. Dazu gehören zum Beispiel Leistungsdruck oder Zeitdruck. Bei solchen Ursachen ist tatsächlich auch eine Lösung durch die Veränderung dieser äußeren Umstände möglich.

Die meisten hartnäckigeren Blockaden sind aber innerer Natur und gehen auf negative Erfahrungen, Ängste und/oder Glaubenssätze zurück. Der wichtigste Schritt zur Lösung solcher innerer Blockaden ist die Selbstreflexion. Man muss mschit seinen Ängsten oder Glaubenssätzen beschäftigen, um der Blockade auf den Grund gehen und sie zu lösen. 

So hilft es zum Beispiel bei Ängsten vor negativen Bewertungen der eigenen Arbeit, sich den schlimmstmöglichen Ernstfall vorzustellen und sich zu fragen: Wenn Kollegen oder Vorgesetzte meine Arbeit sprichwörtlich in der Luft zerreißen, wie würde ich mit diesem Feedback umgehen? Was würde ich entgegnen? Wäre diese Situation wirklich so schlimm, dass ich sie nicht bewältigen könnte? Wahrscheinlich nicht! Glaubenssätze sind Sätze, die wir alle in unseren Köpfen tragen und schon oft gedacht haben, dass sie zum inneren Mantra geworden sind. Sie können durch negative Erfahrungen entstehen oder von anderen übernommen werden und lauten zum Beispiel: 

- Andere sind besser/schlauer/schneller als ich.

- Ich kann gar nichts.

- Das kann ich nicht.

- Ich bin unkreativ.

- Das ist zu viel für mich.

- Ich bin zu jung/zu alt/zu dumm.

Diese hinderlichen Sätze in uns können wir nicht einfach löschen wie ein unliebsames Computerprogramm, aber wir können sie mit Sätzen überschreiben, die positiv oder zumindest weniger negativ und absolut sind. Das kann beispielsweise so aussehen:

Aus „Ich bin unkreativ“ wird „Ich fühle mich gerade unkreativ“, aus „Das kann ich nicht“ wird „Ich glaube jetzt gerade, dass ich das nicht kann“ oder „Das kann ich noch nicht“.

Auch „erlernte“ Verhaltensweisen, die uns im kreativen Prozess blockieren, wie etwa das Aufschieben, Ablenken oder Vermeiden vermeintlich zu großer Anstrengung, lassen sich auf ähnliche Weise durch andere, positivere Verhaltensweisen überschreiben. Zum Beispiel damit, einfach erstmal anzufangen. Für fünf Minuten.

Von: Tanja Queckenstedt Arbeitspsychologin und Autorin von "Ein Kopf voller Ideen" 

Kommentare (1)

  1. Esad am 01.07.2021
    Ich habe selbst häufig solche Phasen in denen ich keinen Antrieb zum starten fühle. Ich werde die 5 Minuten regel mal ausprobieren. ;) Danke für den Tipp

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