Gehen wir gut genug mit uns um? Ressourcenmanagement im Homeoffice

Arbeitswelt erstellt von Tanja Queckenstedt, Wirtschaftspsychologin B.A.und Autorin von "Ein Kopf voller Ideen"

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Remote Work ist zum Dauerthema geworden und wird auch nach Corona weiterhin eine große Rolle spielen – vor allen Dingen für Kreativschaffende. Neben organisatorischen Fragen steht hier vor allem der Umgang mit den eigenen Ressourcen im Vordergrund. Und über all dem schwebt die Frage: Gehen wir gut genug mit uns um, wenn niemand auf uns aufpasst? 

Die Antwort ist leider allzu oft Nein. Auf uns selbst gestellt, gehen wir in Belastungsphasen mitunter schlecht mit unseren Energiereserven um. Viel schlechter, als wir es wahrscheinlich im Büro tun würden. Die Gründe dafür sind ganz unterschiedlich. Manche geben tatsächlich deshalb Vollgas, weil sie fürchten, man könnte ihnen sonst in dieser Situation Untätigkeit unterstellen. Anderen fehlen Vorgesetzte, die der Fürsorgepflicht des Arbeitgebers nachkommen. 

Tatsächlich müssen wir aber selbst auf uns aufpassen. Und das ist letztlich im Sinne unserer Auftraggeber unsere höchste Pflicht. Hier ist es hilfreich, das passende – wenn auch etwas abgedroschene – Bild von der Sauerstoffmaske im Flugzeug im Hinterkopf zu haben. Die muss man zuerst selbst aufsetzen, bevor man anderen helfen kann. Wir müssen unsere eigenen Ressourcen im Auge behalten, wenn wir sie für andere einsetzen wollen.

Die eigenen Ressourcen kennen

Das gilt vor allem in Stressphasen. Da ist es wichtig, seine inneren und äußeren Kraftquellen zu kennen und immer wieder den Blick auf sie zu lenken. Dabei können kleine Erinnerungsstützen wie Notizen oder Bilder am Arbeitsplatz helfen. Wir müssen uns daran erinnern, welche Ressourcen wir dem Stress entgegensetzen können. 

Auf der einen Seite sind das Dinge, die uns zum Stressabbau guttun. Diese Ressourcen können so unterschiedlich sein, wie das Stressempfinden selbst. Um diese individuellen Ressourcen zu identifizieren, ist es wichtig auf sich selbst zu horchen und sich folgende Fragen zu beantworten: Was möchte ich? Was genieße ich? Was gibt mir Kraft?

Natürlich aber auch: Welche persönlichen und sozialen Ressourcen stehen mir zur Verfügung, um meine Aufgabe zu erfüllen? Persönliche Ressourcen können zum Beispiel Entscheidungs- und Handlungsfähigkeit oder  Kommunikations- und Konfliktlösungskompetenz sein. Soziale Ressourcen finden sich zum Beispiel in Netzwerken oder positiven sozialen Bindungen.

Grenzen setzen und einhalten

Es ist wichtig, dass wir Raum für diese Ressourcen schaffen und uns die Möglichkeit geben, unseren Tank regelmäßig aufzufüllen. Dafür ist es gerade im Homeoffice essenziell, der Arbeit und dem Stress Grenzen zu setzen.

Dabei helfen feste Strukturen und Arbeitszeiten mit regelmäßigen Pausen, die unbedingt eingehalten werden sollten. Die Arbeit sollte nicht mit in den Feierabend genommen werden. Dafür kann ein fester Arbeitsplatz in der eigenen Wohnung sinnvoll sein, der zu bestimmten Tageszeiten tabu ist. 

Wer dafür zu wenig Platz hat, dem können andere Tricks helfen, die Arbeit hinter ich zu lassen. Beispielsweise alle Arbeitsutensilien in einem Schrank zu verstauen, sodass sie aus den Augen und aus dem Sinn sind. Man kann auch zum Arbeitsbeginn und zum Feierabend die Kleidung wechseln, um sich selbst ein klares Signal zu setzen. Hilfreich kann auch ein kurzer Spaziergang nach der Arbeit sein, der den Weg nachhause simuliert.

Resilienz stärken

Als Wunderwaffe gegen Stress ist seit einiger Zeit Resilienz in aller Munde. Damit ist die Widerstandsfähigkeit gegen belastende Einflüsse gemeint. Man kann sie trainieren. Und laut vielen der inzwischen unzählige Modelle der Resilienzforschung ruht sie auf verschiedenen Säulen, die wir stärken können und sollten. 

1. Akzeptanz: Hierbei geht es zum einen darum, äußere Restriktionen anzuerkennen, d.h. zu akzeptieren, dass Dinge sich manchmal nicht ändern lassen. Wer die Dinge annimmt, wie sie sind, löst Stress und steigert zudem die Zufriedenheit mit zweitbesten Lösungen. Zum anderen geht es um Selbstakzeptanz. Wer die eigenen Schwächen akzeptiert, hat besseren Zugang zu seinen Ressourcen. 

2. Bindung: Die Bindung zu anderen Menschen ist sowohl privat als auch im Arbeitsumfeld wichtig. Innerhalb dieser Gruppen und Systeme sollten die Rollen klar verteilt sind. In der Kommunikation hilft es Sach- und Beziehungsebene zu trennen, um emotionale Belastungen zu vermeiden.

3. Lösungsorientierung: erreicht man am besten durch „wohlgeformte“ Ziele. Sie sollten positiv formuliert, konkret, überschaubar, realistisch und kontrollierbar sein.

4. Gesunder Optimismus: Hier geht es darum unserer evolutionär bedingten Negativtendenz eine Positivtendenz entgegenzusetzen. Denkmuster, die sich auf Schlechtes konzentrieren, können zum Beispiel durch Dankbarkeits-Training unterbrochen werden.

5. Selbstwahrnehmung: Indem wir auf unsere somatischen Marker und emotionalen Reaktionen achten, d.h. auf unseren Körper hören, verbessern wir unseren Zustand.

6. Selbstreflexion: geht über Selbstwahrnehmung hinaus und beschäftigt sich mit den Auswirkungen des eigenen Handelns. Hilfreiche Fragen sind: Wie habe ich geschafft, dass etwas gut/schlecht wurde? Was kann ich verändern? So kommt man aus der Opferrolle. 

7. Verantwortung übernehmen und zurück in die Selbstwirksamkeit kommen. Selbstwirksamkeit ist das Bewusstsein, dass unser Handeln Wirkung zeigt. Um dieses zu stärken, sollten wir uns in Stresssituationen an unsere Kompetenzen, Ressourcen und Fähigkeiten erinnern.

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