Nicht stehen bleiben

    erstellt von Elisabeth Wirth, Autorin und Texterin, führte das Interview für DESIGNERDOCK

    © pic by unsplash.com / nordwood

    Das DESIGNERDOCK-Team aus Zürich hat vor ein paar Jahren die Weiterbildungsplattform INTERACTIVE DOCK aufgebaut. In ihren Kursen werden GestalterInnen im Bereich Interaction Design geschult. Im Interview erzählen Beate Reuther und Maya Schneeberger, was den digitalen Designprozess ausmacht, wie das Digitale die Arbeitsweise verändert und warum vom User-Centered-Design-Prozess alle etwas lernen können.

    Was macht das Thema Weiterbildung gerade für Kreative so wichtig?

    Maya: Die Veränderungen in der Kreativbranche durch die Digitalisierung sind enorm. Ständig entstehen neue Kanäle, Produkte, Arbeitsfelder und Jobs. Das bedeutet, dass Kreative nicht stehen bleiben dürfen. Sonst können sie ihre Arbeit vielleicht eines Tages nicht mehr ausüben. Kreative dürfen keine Angst vor Weiterbildung haben und sollten sich unbedingt einen Raum dafür schaffen.

    Ihr habt vor ein paar Jahren eine Weiterbildung zu Interaction Design entwickelt, die sehr gut angenommen wird. Im November beginnt bereits der zehnte Durchlauf. Wie kam es dazu?

    Beate: In unseren Interviews mit den KandidatInnen ist uns zunehmend aufgefallen, dass auch die sehr guten GestalterInnen Gefahr laufen, den Anschluss zu verpassen, weil sie keine Möglichkeit haben, auch im digitalen Bereich zu arbeiten.

    Maya: Gleichzeitig hatten wir durch die Interviews aber auch Einblick in die Kompetenzen digital arbeitender DesignerInnen und haben wahrgenommen, dass die Herangehensweise im Digitalen eine ganz andere ist: Intelligent, direkt, nutzerorientiert. 

    Beate: Wir haben begonnen, nach Weiterbildungsmöglichkeiten zu suchen und bald realisiert, dass es am Markt überhaupt keine berufsbegleitenden Weiterbildungen gibt, die digitale Kompetenzen und die Gestaltung über alle Kanäle vermittelt.

    Maya: Wir wollten ursprünglich mit einer Hochschule zusammenarbeiten, haben aber bald gemerkt, dass es da eine Reihe an Nachteilen gibt. Ohne Institution sind wir viel flexibler. Wir können sehr viel schneller auf neue Entwicklungen reagieren und die Module entsprechend anpassen.

    Was lernen die TeilnehmerInnen in den Kursen?

    Beate: Die Weiterbildung vermittelt einen Überblick. Daher lernen die TeilnehmerInnen den kompletten User-Centered-Design-Prozess kennen. Sie schauen sich zum Beispiel alle Elemente des digitalen Projekt-Workflows an und erarbeiten die Zusammenhänge zwischen Konzeption, Informationsarchitektur, Interaktionsdesign und Entwicklung. Es werden Begriffe wie Usability, User Experience oder User Interaction geklärt und die Grundprinzipien der Interaktivität, des Responsive Design, Prototyping, Usability Testing und auch digitale Designskills wie Typografie, Icons und Visual Design vermittelt.

    Maya: Und sie lernen, Benutzerbedürfnisse zu evaluieren, Zielgruppen zu definieren und die Arbeit mit Personas. Eigentlich richtet sich unsere Weiterbildung primär an GestalterInnen, doch einmal hat auch ein Programmierer an einem Kurs teilgenommen. Er wollte wissen, wie der Prozess funktioniert und die Designer besser verstehen. Nicht nur für GestalterInnen ist es wichtig, die Herangehensweise ans Digitale zu kennen. Dieser andere Prozess bedeutet ja auch, dass z.B. die BeraterInnen beim Kunden mit tollen neuen Methoden arbeiten können.

    Beate: Wir bieten auch Inhouse-Schulungen an und konnten u.a. in einer Agentur alle 15 Module durchführen. Das war natürlich toll, weil so alle MitarbeiterInnen den User-Centered-Design-Prozess kennenlernen konnten. 

    Ich würde gerne näher über diese neue Herangehensweise sprechen? Was macht sie aus? Wie verändert das Digitale die Arbeitsweise?

    Beate: Früher kam der Kunde mit einem Wunsch, man entwickelte ein Konzept, darauf folgte der Entwurf und die Präsentation. Am Ende wird eine Idee umgesetzt. Das Digitale bringt eine agile Arbeitsweise mit sich. Man nähert sich dem Auftrag ganz anders, arbeitet sehr viel stärker benutzerorientiert. Fehler sind erlaubt, was nicht funktioniert, kann schnell angepasst und verbessert werden.

    Maya: Bei der Entwicklung gehen die GestalterInnen heute vom Nutzer aus. Im User-Centered-Design-Prozess wird sehr viel recherchiert und analysiert. Wenn heute ein Kunde eine Webseite will, dann spielen die Fragen, was er mit der Webseite erreichen will und wen, eine zentrale Rolle.

    Vielleicht stellt sich dann heraus, dass er nicht unbedingt eine neue Webseite braucht, sondern eine App, ein anderes digitales Produkt oder sogar etwas Analoges. 

    Beate: Das heißt auch, dass man manchmal eine Idee aufgeben und viel ausprobieren muss, bis man die ideale Lösung gefunden hat.

    Was bedeutet diese neue Arbeitsweise für die Strukturen?

    Maya: Abflachende Hierarchien und die Arbeit in Teams.

    Beate: Uns fällt auch auf, dass es ganz andere Formen von Meetings gibt. Da werden unterschiedliche Kompetenzen und z.B. soziologische, anthropologische oder psychologische Perspektiven an einen Tisch geholt und Cases diskutiert, Fehler analysiert, um daraus zu lernen. Junge Kreative legen viel mehr Wert auf Austausch. Das ist eine ganz neue Generation. Sie sind sehr bereit, zu erzählen, etwas preiszugeben…

    Maya: …und zu teilen.

    Sind die jungen Talente auch besser auf digitales, interaktives Gestalten vorbereitet?

    Maya: Nicht unbedingt. An den Hochschulen lernen sie vor allem gestalten. Dabei kommt der digitale Designprozess zu kurz. Junge Absolventen müssen häufig digital, aber auch analog dazulernen, denn oft beherrschen sie auch den Druckprozess oder die Programme nicht umfassend. 

    Inwiefern sind die Jungen dennoch eine ganz neue Generation?

    Beate: Sie zeichnen sich durch ihr eigenständiges Denken aus. Sie wollen an guten Projekten arbeiten, gute Konzepte entwickeln. Sie wollen sich oft nicht binden und Teil einer Agenturfamilie werden. Sie wollen oft in Teilzeit arbeiten und wünschen sich Raum zur Entfaltung. 

    Euer Kurs vermittelt einen Überblick und kann mit einer Zertifikatsarbeit abgeschlossen werden. Was kommt danach?

    Beate: Danach schaut jeder für sich. Erst einmal gibt die Weiterbildung Sicherheit und neue Kompetenzen, die direkt im Arbeitsalltag eingesetzt werden können. Gerade weil die Weiterbildung einen Überblick vermittelt, können die Teilnehmenden aus ihr schöpfen, spannende Möglichkeiten entdecken, sie sogar zur Neuorientierung nutzen und ihre Karriere in eine andere Richtung steuern. Der eine besucht danach eine Programmschulung, eine andere beginnt vielleicht sogar ein Psychologiestudium. Beide bereichern ihre vorhandenen Kompetenzen, um mit neuer Begeisterung im Job weiterzukommen.

    Wenn auch ihr Interesse habt an weiteren Informationen, alle Facts findet ihr unter interactivedock.ch

    Anmeldeschluss ist der 21.12.2018

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